Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche
Suche
Kopfillustration
Bild in voller Höhe anzeigen Bild in halber Höhe anzeigen
Sie befinden sich hier:
  1. Kultur & Wissenschaft
  2. Archäologischer Senstionsfund in St. Johannis

Archäologischer Senstionsfund in St. Johannis

Bei der Sanierung der Evangelischen Kirche St. Johannis ist man bei Bauarbeiten für eine neue Bodenheizung im Sommer 2013 zufällig auf Reste eines Fußbodens gestoßen, der aus dem 9. Jahrhundert stammt. Schon länger gehen Experten davon aus, dass der Vorgängerbau der Johanniskirche auf die Zeit von Hatto I., Erzbischof von Mainz im 9. Jahrhundert, zurückgeht. Es gilt als äußerst wahrscheinlich, dass die Johanniskirche als Kathedralkirche des Erzbistums Mainz diente – vor der Errichtung des heutigen Doms. So wird die Johanniskirche bereits seit längerem als "Alter Dom" bezeichnet. Die aktuellen Funde haben dies nun bestätigt.

Zudem wurden an mehreren Stellen Mauerreste entdeckt, die auf die Fundamente eines weiteren Vorgängerbaus (vor Hatto), aus vermutlich frühkarolingischer Zeit (7. oder 8. Jahrhundert) hinweisen. Die Mauern sind teils bis zehn Meter in die Höhe noch erhalten, was nach Angaben des Landeskonservators Joachim Glatz außergewöhnlich ist.

Die Experten sind sich sicher, dass St. Johannis eine der ältesten Kirchen in Deutschland ist. Ob es die älteste Kirche ist, weiß man noch nicht. Denn unter dem Vor-Hatto-Bau wurden Reste eines Bauwerks aus der Römerzeit gefunden, es könnte sich hier um eine frühe christliche Gemeinde aus der Römerzeit handeln oder um einen römischen Tempel. Wie der Vor-Hatto-Bau ausgesehen hat, ist indes unklar.
Das Kirchenschiff, das übrigens ähnlich ausgerichtet ist wie die Kirchen in Rom, mutet momentan an wie eine gewaltige archäologische Grabungsfläche. Das Raumempfinden war zur Karolingerzeit ein völlig anderes, weil der historische Fußboden knapp drei Meter unter dem heutigen Bodenniveau lag, die Kirche hatte also ein komplett anderes Ausmaß. Es war eine zweipolige Kirche mit einem Altar im Westen und im Osten. Es gab ein kleines Mittelschiff und ein Querschiff mit Querarmen im Westen. Die Seitenschiffe sind später abgetrennt worden. Die Gesamthöhe ist im Wesentlichen erhalten. Der Bau war im Osten deutlich länger. Die großen Fenster und Rundfenster stammen noch aus der Hatto-Zeit. Eine Krypta wird vermutet. Außerdem war die Farbgestaltung völlig anders.
Im Keller wurde nicht nur die exzellent fundamentierte Außenwand der Kirche aus der Zeit Karls des Großen gefunden und Reste eines römischen Vorgängerbaus, sondern auch ein Sarkophag ohne Deckel und eine Grabstätte, mit jeweils einem Skelett darin. Die Gräber stammen aus unterschiedlichen Zeiten, die Grabstelle ist vermutlich älter. Eines der Skelette könnte aus dem 7. Jahrhundert stammen. Die Experten gehen davon aus, dass es sich um herausragende weltliche oder klerikale Persönlichkeiten gehandelt haben muss.
Aktuell arbeitet die Landesarchäologie vor Ort in Abstimmung mit der Evangelischen Kirche. Wie lange noch gegraben wird, ist derzeit unklar. Fest steht, dass die Kirche mittelfristig wieder als Kirche genutzt werden soll, dass aber auch die archäologischen Funde der Öffentlichkeit präsentieren werden sollen. An einem Konzept wird aktuell gearbeitet. Ein Antrag, um Stätte des Nationalen Erbes zu werden, wird auf den Weg gebracht. Gottesdienste finden derzeit im Gemeindesaal und in benachbarten Kirchen statt.