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Hier schreibt Michael Ebling

Ein echter Narr ist ohne Sprüch, rhoihessisch, herzlich, määnzerisch!

Liebe Mainzerinnen und Mainzer,

Rosenmontag ist in diesem Jahr am 8. Februar. Falls Sie nicht kürzlich aus Wiesbaden nach Mainz gezogen sind, wissen Sie das schon. Immerhin ist das die kürzeste Kampagne seit Menschengedenken – also seit 2008. Längeres Zurückdenken erfordert in der Regel ein Smartphone und kann deshalb nicht oder nur unzutreffend als "Menschen"-Gedenken bezeichnet werden.

Dass wir zum Erinnern immer häufiger die Hilfe der Technik brauchen, habe ich übrigens auch auf meinem Smartphone gelesen, in einem Artikel über digitale Amnesie. "Kann sein", habe ich da gedacht und manches, was im letzten Jahr passiert ist, ist ja auch zum Vergessen. Das, was wir aber nicht vergessen dürfen, das, worüber wir nachdenken, woraus wir lernen müssen, daran erinnert uns die politisch-literarische Fastnacht. Und sie erinnert uns auch gleich noch an etwas anderes, das wir nicht vergessen dürfen: das Lachen nämlich. Gerade heute, wenn es uns beim Blick in die Nachrichten manchmal im Halse stecken zu bleiben droht.

Wer die Fastnacht hat, kann also getrost alles andere vergessen, jedenfalls bis zum Aschermittwoch. Bis dahin sind wir sowieso ausschließlich mit Feiern beschäftigt. Für unsere Smartphones haben wir da gar keine Zeit, bei so einer kurzen Kampagne. Dabei kann man beim Surfen mit dem Handy auch viel Neues lernen.

Ich habe zum Beispiel gelernt, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können: Der frühestmögliche Rosenmontagstermin ist gar der 2. Februar. Das war glücklicherweise zuletzt 1818 der Fall und wird erst 2285 wieder passieren – jedenfalls wenn mein Smartphone mich nicht anlügt.

Diese Information ist zwar tröstlich, weil wir nun wissen: Früher war auch nicht alles besser. So richtig hilft uns das aber auch nicht durch ein Jahr mit so wenig Fastnacht. Da hilft nur eines: Einfach weiterfeiern. Und damit sind wir wieder beim Thema "Erinnern".

Denn zum Glück erinnern wir Rheinhessen uns als Einzelne und als Völkchen gerne an unsere Wurzeln und damit daran, dass unsere Region vor 200 Jahren hochoffiziell per Urkunde gegründet wurde. Wir feiern dieses großartige Jubiläum nicht nur an einem Tag, wir feiern das ganze Jahr – dann lässt sich auch die kurze Kampagne verschmerzen. Die stimmt uns auch gleich auf die Jubiläumsfeierlichkeiten ein: mit der Zugplakette in "Weck, Worscht und Woi"-Form und dem Motto "Ein echter Narr ist ohne Sprüch, rhoihessisch, herzlich, määnzerisch!".

Das Jahr steht also wie die Kampagne ganz im Zeichen der gemeinsamen rheinhessischen Identität und die wiederum steht für Herzlichkeit und Lebensfreude, wozu natürlich auch der Wein seinen Beitrag leistet. Immerhin sind Mainz und Rheinhessen gemeinsam Great Wine Capital.

Ich wünsche uns allen viel Spaß beim gemeinsamen Feiern: im Saal und uff de Gass und überall in Mainz und Rheinhessen.

Und übrigens: Die nächsten zehn Kampagnen werden alle wieder länger. Erst 2027 liegt der Rosenmontag wieder so traurig früh. Aber dank digitaler Amnesie und Wein haben wir diese Information spätestens nach Fastnacht wieder vergessen.

Ihr

Michael Ebling