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Hier schreibt Michael Ebling

Kennen Sie Krefeld?

Vom Namen her vermutlich schon. Aber sonst?

Oder Bielefeld?

Mancher oder manche könnte jetzt behaupten, er oder sie habe gelesen, das gäbe es gar nicht. Und was ist mit Chemnitz, Braunschweig oder sogar Wiesbaden? Gut, Letzteres kennt man als Mainzer oder Mainzerin vom Hörensagen aus der Fastnacht. Warum ich Sie überhaupt nach Ihren Kenntnissen dieser Städte frage?

Sie haben alle etwas gemeinsam: Sie liegen auf der Liste der größten deutschen Städte vor Mainz. Manche sogar deutlich, zum Beispiel Bielefeld mit fast 330.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Und sie alle haben berühmte Persönlichkeiten, die dort geboren wurden. Aus Bielefeld zum Beispiel stammt unser Generalmusikdirektor Hermann Bäumer. Beachtliche Beiträge zum kulturellen Leben in unserem Land haben diese Städte also auch geleistet.

Aber obwohl sie alle größer sind als Mainz – und es gibt ja noch einige Dutzend andere Städte im Land, auf die das zutrifft – und obwohl sie alle große kulturelle Beiträge geleistet und große Persönlichkeiten hervorgebracht haben, kann es keinen Zweifel geben, welche Stadt in der Kategorie des größten kulturellen Beitrags eines berühmten Sohnes oder einer berühmten Tochter vor allen anderen liegen muss: Mainz.

Denn von Mainz ging nicht weniger als eine kulturelle Weltrevolution aus. Schließlich dürfte kaum eine Stadt einen Sohn oder eine Tochter haben, der oder die die folgenden Jahrhunderte gravierender und nachhaltiger geprägt hat als Johannes Gutenberg.

Seine Erfindung ist eine Jahrtausenderfindung, deren Einfluss sich nicht überschätzen lässt – bis hinein ins Zeitalter der Ebooks. Auf der Liste der Städte in Deutschland, von denen eine kulturelle Weltrevolution ausging, dürfte Mainz also klar auf Platz eins stehen. Eine solche Top-Platzierung im Städteranking darf, ja muss man selbstverständlich und jährlich mit der Johannisnacht feiern, dem wahrscheinlich größten Gutenbergvolksfest der Welt.

Leider haben wir keinen Spitzenplatz, den wir feiern können, wenn es darum geht, dem berühmtesten Sohn unserer Stadt und seinem historischen Erbe die schönste und angemessenste Heimstätte zu bieten.

Vermutlich sind wir da nicht einmal in den Top 20.

Das ist ein Mangel, dem dringend abgeholfen werden muss. Denn ein weltbekannter Sohn und ein Weltmuseum im Herzen der Stadt, das ihm gewidmet ist, verdienen ein architektonisches Ausrufezeichen. Dieses Museum darf man nicht verstecken, man muss es der Welt zeigen und die Welt dorthin einladen. Man muss also Mut haben zu einem "großen Wurf" – und dieser Mut spricht aus den drei Siegerentwürfen für den Erweiterungsbau des Gutenberg-Museums.

Tausende Mainzerinnen und Mainzer haben sich die Modelle in den vergangenen Wochen im Museum angeschaut, haben sich von den Architekten die Entwürfe erklären lassen und darüber diskutiert. Und das nicht nur im Museum. Diskutiert wurde und wird auch auf den Straßen und in den Weinstuben, zu Hause und rings um liebgewonnene Veilchenbeete (die wir im Übrigen alle gern behalten wollen).

Dieses lebendige Interesse der Bürgerschaft an ihrer Stadt, an ihrem Museum und damit ihrer Identität ist es, was das Gutenberg-Museum neben dem Mut zum großen Wurf für eine erfolgreiche Zukunft braucht. Auf die Frage, was für ein Museum wir wollen, kann es nur eine Antwort geben: Ein Weltmuseum!

Das Ausrufzeichen hinter dieser Replik muss sich auch in der architektonischen Antwort auf die Zukunftsfrage des Museums wiederfinden.

Wenn in Krefeld, Bielefeld oder Braunschweig dann jemand fragt: "Kennen Sie Mainz?", wird das Gutenberg-Museum künftig ganz oben stehen auf der schier unendlichen Liste der Dinge, die die Welt an Mainz begeistern.

Ihr Michael Ebling

OB Michael Ebling Landeshauptstadt Mainz
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