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Rede des Oberbürgermeisters anlässlich der 50 Jahre Partnerschaft Laubenheim – Longchamp – Festveranstaltung

Samstag, 7. Mai 2016
Mainzer Hof

Anrede,

wie viel Geld kostet die europäische Einigung? Bevor Sie jetzt an die Zahlen mit den vielen Nullen denken, von denen wir immer in den Nachrichten hören, verrate ich es Ihnen:

So viel wie ein halbes Biohähnchen. 18 Euro.

So viel – sagt jedenfalls die Internetseite ViaMichelin – kostet nämlich die Autobahnmaut, wenn wir auf der schnellsten Strecke von Laubenheim nach Longchamp fahren. Sie kennen wahrscheinlich noch günstigere Wege, weil Sie alle Expertinnen und Experten für diese Strecke sind. Aber selbst 18 Euro sind ein Schnäppchen für die europäische Einigung.

Meine Damen und Herren,

ich gebe zu: Diese Rechnung ist ein bisschen plakativ. Aber der Gedanke dahinter ist es nicht.

Wenn wir heute an Europa denken, dann denken wir allzu oft an Gipfeltreffen in Brüssel. Wir denken an Streit zwischen den Regierungen oder Eurorettungsschirme, die Milliarden kosten. Dabei ist die europäische Einigung so günstig wie ein halbes Bio-Hähnchen.

Denn was Europa wirklich braucht, was Europa wirklich trägt, sind die Begegnungen der Bürgerinnen und Bürger. Es sind Austausch und Freundschaften, gegenseitige Besuche und gemeinsames Feiern. Kurz: Was Europa braucht, ist eine Fahrt von Laubenheim nach Longchamp. Ja, es braucht viele solcher Fahrten zwischen vielen Städten und Gemeinden. Denn sie tragen mehr zu Europa bei als so manches Gipfeltreffen.

Was wir heute tun, das tun dieser Tage viele Städte und Gemeinden in Deutschland und Frankreich: Sie feiern 50 Jahre Partnerschaft. 50 Jahre Freundschaft und gegenseitige Besuche, 50 Jahre Aussöhnung und Verständnis.

Und auch nach diesen 50 Jahren sind diese Partnerschaften lebendig. Laubenheim und Longchamp sind dafür ein hervorragendes Beispiel.

Hier in unseren Städten und Gemeinden gelingt uns, was in den Hauptstädten immer öfter zu misslingen scheint: ein gemeinsames Europa!

Darauf können wir stolz sein und darüber können wir vor allem glücklich sein.

Wir blicken viel zu oft in die Hauptstädte Europas und ärgern uns. Dabei müssten wir nur einen Blick in all die anderen Städte des Kontinents werfen und wir könnten uns freuen.

Wer das gemeinsame Europa sucht, der muss nur wissen, wo er hinschauen muss: Rettungsschirme und Gipfel in Brüssel stiften keine Ehen und Freundschaften, sie befördern nicht den Austausch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern. Partnerschaften in den Städten tun all das!

Die Partnerschaft zwischen Longchamp und Laubenheim hat die Menschen aufeinander neugierig gemacht und füreinander Verständnis geschaffen.

Wenn wir bedenken, dass der Krieg, den Deutschland über diesen Kontinent und die Welt brachte, gerade einmal 21 Jahre zu Ende war, als Laubenheim und Longchamp ihre Partnerschaft begründeten, dann sind Aussöhnung und Verständnis, ja Freundschaft viel mehr, als wir vor 50 Jahren erhoffen durften.

Damals, am 1. Mai 1966, haben Henry Moisand und Erich Koch die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet und damit den Grundstein gelegt für viele persönliche Begegnungen über die Grenzen unserer Länder hinweg.

Jugendliche lernten in Gastfamilien das Leben in der Partnergemeinde kennen. Der Turnverein Laubenheim 1883 e.V. hat unter Günter Beck viele Sportbegegnungen und Ferienaufenthalte organisiert. Und zu den Höhepunkten gehörten auch die Begegnungen der Fußballer dies und jenseits der Grenze.

Wenn heute wieder die Schlagbäume an den Grenzen fallen, wenn Nationalisten in Europa Wahlen gewinnen und die Briten sogar drohen, die EU zu verlassen, dann müssen wir uns wieder auf das besinnen, was Europa wirklich ist:

Das gemeinsame Europa der Bürgerinnen und Bürger.

Ich bin überzeugt davon, dass wir Europa nicht in seinen Hauptstädten suchen dürfen. Wir müssen es in all den anderen Städten suchen.

Wir müssen es dort suchen, wo die Menschen einander begegnen,

  • Dort, wo der Weinstand aus Longchamp auf dem Rebblütenfest in Laubenheim jedes Jahr eine der Hauptattraktionen ist,
  • dort, wo man sich jedes Jahr besucht, wo eine Laubenheimer Straße den Namen eines französischen Bürgermeisters trägt und ein Platz in Longchamp den eines Laubenheimer Bürgermeisters.
  • Dort, wo junge Familien sich immer stärker für den Austausch interessieren, weil sie spüren, dass dieses Europa gut ist für uns und dass es unsere Zukunft ist.
  • Dort, wo sich seit 50 Jahren auf beiden Seiten Generationen für Europa und die deutsch-französische Freundschaft einsetzen.

Wer das gemeinsame Europa sucht, der braucht nicht dahin zu schauen, wo die Milliarden sind. Der braucht bloß 18 Euro Mautgebühr für eine Fahrt von Laubenheim nach Longchamp.

Meine Damen und Herren,

ich danke Ihnen für Ihr Engagement! Seit fünf Jahrzehnten setzen sich viele Menschen mit Leidenschaft für die Partnerschaft zwischen Longchamp und Laubenheim ein. Ihnen allen herzlichen Dank!

Ich wünsche Ihnen und mir, dass diese Verbindung weiter so lebendig ist! Europa braucht Menschen wie Sie und Partnerschaften wie diese!