Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche
Suche
Kopfillustration
Bild in voller Höhe anzeigen Bild in halber Höhe anzeigen
Sie befinden sich hier:
  1. Verwaltung & Politik
  2. Oberbürgermeister und Dezernate
  3. Dezernat I - Oberbürgermeister
  4. Reden
  5. Rede des Oberbürgermeisters anlässlich 50 Jahre unterhaus

Rede des Oberbürgermeisters anlässlich 50 Jahre unterhaus

Freitag, 4. Juni 2016
unterhaus

Anrede,

in fünf Minuten kann man vieles schaffen: Laut der Zeitschrift Men’s Health kann ich in fünf Minuten 650 Muskeln trainieren,

und in der Brigitte steht: Ich kann mich in fünf Minuten "super fühlen", wenn ich in der Zeit inspirierende Zitate starker Frauen lese.

Ich kann in fünf Minuten auch zum Top-Manager werden, wenn ich mir dafür das richtige Ratgeberbuch kaufe.

Was ich in fünf Minuten nicht kann, ist die Bedeutung des unterhauses für die Kultur in unserer Stadt und für Kabarett und Kleinkunst in unserem Land zu würdigen – oder all die großen und kleinen Beiträge, die diese Erfolgsgeschichte ermöglicht haben, aufzuzählen. Da hilft auch kein Ratgeberbuch.

Weil es aber nicht länger werden soll, mache ich es kurz.

Ich danke allen, die das unterhaus in 50 Jahren gegründet, betrieben, gefördert, entwickelt, gerettet, begleitet, neuangefangen, vorangebracht, bekannt gemacht, besucht, beehrt, belebt und bereichert haben.

Das unterhaus ist ein Kind unserer Stadt. Nicht nur weil es hier geboren ist, sondern weil es zur Familie gehört. Weil diese Familie – und sie ist weitverzweigt – mit allen Anverwandten sich stets um dieses unterhaus gekümmert hat: von den unterhäuslern und den Künstlerinnen und Künstlern über die Bürgerinnen und Bürger, den Förderverein bis hin zur Stadt.

Das unterhaus hat einen Platz im Herzen von Mainz – geografisch und lyrisch-metaphorisch.

Anrede,

wenn ich in fünf Minuten 650 Muskeln trainieren kann, dann kann ich in 50 Jahren grob hochgerechnet drei Milliarden 416 Millionen 400Tausend Muskeln trainieren (3.416.400.000).

Oder ich kann das mit dem Training lassen und stattdessen in 50 Jahren auch eine Kulturinstitution von nationalem Rang aufbauen und einen großen Beitrag zur kleinen Kunst leisten, die in dieser Zeit schon so oft totgesagt wurde.

Wer sich umblickt, der erkennt: Hier im unterhaus hat man sich gegen das Muskeltraining und für die Kulturinstitution entschieden – und es war die richtige Entscheidung, eine Bereicherung für unsere Kultur, ein Markenzeichen für unsere Stadt, ein Spiegel für unsere Gesellschaft.

Anrede,

wenn ich mit den Zitaten starker Frauen aus der Brigitte fertig bin und die fünf Minuten noch nicht um sind, lese ich in den Weisheiten von Hanns Dieter Hüsch, um mich besser zu fühlen.

Und eine davon lautet:

"Wenn wir schon nicht die Wahrheit herausbringen, dann wenigstens die Wirklichkeit."

Wer "unterwegs ins unterhaus geht, zur Kleinkunst der großen Unterhaltungskünstler", dem bleibt die Wirklichkeit nicht verborgen, ob er will oder nicht.

Und in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in Punkto Wahrheit nur noch ihre eigene gelten lassen, kann ein bisschen Wirklichkeit nicht schaden.

Das Kabarett wird da mehr denn je gebraucht und hat es doch schwerer als zuvor, weil die Wirklichkeit in unserer Zeit von der Satire nicht mehr zu unterscheiden ist. Was wohl Donald Trump und Beatrix von Storch dazu sagen?

In jedem Fall komme ich bei diesen beiden Namen irgendwie auf den Gedanken, dass es wirklich gut ist, dass es das unterhaus gibt und dass wir heute pompöses Jubiläum feiern können.

Herr Dietrich, Frau Nebel, liebes unterhaus-Team, Frau Schleindl und Förderer und Fördererinnen des Fördervereins und nicht zuletzt lieber Gründer,

herzlichen Dank für dieses einzigartige Theater der Kleinkunst!

Liebes unterhaus,

herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag und alles Gute für die nächsten 50 Jahre!