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Teil einer mittelalterlichen Urkunde aus dem Archiv nebst Lupe und Kordel.
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Inflation 1923 in Mainz

1923 war ein ausgesprochenes Krisenjahr oder, wie der Schriftsteller Stefan Zweig es nannte, „eine Tollhauszeit“. Zum Trauma wurde die Hyperinflation des Jahres 1923. Bis heute ist sie in unser kollektives Gedächtnis eingeprägt.

Um an die Inflationszeit zu erinnern, wurde das Stadtarchiv Mainz am 10. 10. 2023 für einen Abend zum Pop-up-Museum. Dafür wurden Objekte, Fotos, Filme und Schriftquellen zum Jahr 1923 ausgestellt und die Geschichten hinter den Objekten in Kurzvorträgen vorgestellt.

Die Wurzeln der Inflation liegen im Ersten Weltkrieg. Der verlorene Krieg hinterließ einen tief verschuldeten Staat. Für Mainz brachte das Kriegsende Jahre der französischen Besatzung (1918-1930). Die französische Besatzung schränkte die staatliche Souveränität massiv ein und prägte den Alltag der Bürger.
Wegen zu spät bezahlter Reparationen besetzten im Januar 1923 französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Der Industrielle Fritz Thyssen beteilige sich an dem von der Reichsregierung ausgerufenen passiven Widerstand und wurde zum Wortführer der deutschen Zechenbesitzer gegen die Besetzung des Ruhrgebiets. Als deshalb ein französisches Militärgericht gegen Thyssen in Mainz Anklage erhob, kam es in der Stadt zu einem Aufruhr.
Die Unruhen in Mainz und die Teilnahme eines großen Teils der Bevölkerung am passiven Widerstand beantworteten die Franzosen mit zahlreichen Verhaftungen und Ausweisungen. Bis Mitte 1923 mussten über 5.000 Mainzerinnen und Mainzer die Stadt verlassen. Unter ihnen waren auch hochrangige Vertreter der Stadtverwaltung wie Oberbürgermeister Dr. Külb und Bürgermeister Bernhard Adelung.
Der von der Reichsregierung ausgerufene passive Widerstand gegen die Ruhrbesetzung ließ die Schulden der Weimarer Republik weiter anwachsen. Immer mehr ungedecktes Papiergeld wurde gedruckt. Die Inflation stieg im Lauf des Jahres 1923 ins Unermessliche. Lange hatte man die steigenden Preise durch steigende Löhne ausgleichen können. Doch auf dem Höhepunkt der Inflation in Herbst 1923 kostete ein Brot viele Milliarden Mark. Die Not begleitete viele Mainzer Familien. Die Stadt organisierte Hilfen, um den Mangel bei Lebensmitteln und Kohle zu lindern.
Mit den steigenden Preisen fehlte es bald an Geldscheinen. Die Mainzer Stadtverwaltung ließ nun selbst Banknoten drucken. Diese Geldscheine waren oft sehr aufwendig gestaltet und die Entwürfe stammten von namhaften Designern.
Erst durch die Einführung einer neuen Währung, der Rentenmark, im November 1924 wurde die Hyperinflation gestoppt.
Eine besondere Entdeckung dieses Abends: Die berühmte Trias „Weck, Worscht und Woi“, Ikone der Mainzer Fastnacht, taucht auf dem Entwurf des 500.000 Markschein vom 1.8. des Inflationsjahres 1923 auf. Die bildliche Darstellung ist der bisher älteste bekannte Beleg von „Weck, Worscht und Woi“!