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Teil einer mittelalterlichen Urkunde aus dem Archiv nebst Lupe und Kordel.
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65 Jahre Städtepartnerschaft Mainz-Dijon

Als am 21. Juni 1958 die Städtepartnerschaft zwischen Mainz und Dijon feierlich proklamiert wurde, betonten der Mainzer Oberbürgermeister Franz Stein und dessen Amtskollege Kanonikus Félix Kir, dass diese Partnerschaft im Dienst der Versöhnung stehen solle. „Wir wollen diesen Freundschaftsvertrag aus tiefstem Herzen schließen und uns gegenseitig Hilfe leisten“, sagte das Stadtoberhaupt von Dijon in einer Rundfunkansprache. „Deutschland und Frankreich sollen in Einigkeit leben, und dazu legen wir heute den Grundstein.“
Wenige Jahre zuvor noch hatte Kanonikus Kir, der im Zweiten Weltkrieg als Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer schwer verwundet worden war, der Idee, eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt einzugehen, eher skeptisch gegenüber gestanden. Beim ersten Besuch des Mainzer Stadtrats in Dijon im September 1953 hatte Kir die Gäste aus der Gutenbergstadt daher auch zunächst sehr zurückhaltend in Empfang genommen. Die Reise der Mainzer Delegation nach Frankreich war als Auslandsfahrt des Stadtrats zum Studium kommunalpolitischer Fragen durchgeführt worden und hatte auf Vorschlag des französischen Landeskommissariats in Mainz in die Hauptstadt der französischen Region Burgund geführt.
Die für Rheinland-Pfalz zuständigen französischen Besatzungsbehörden waren seit dem Frühjahr 1953 bestrebt, zur Förderung der deutsch-französischen Aussöhnung partnerschaftliche Kontakte zwischen dem noch jungen Bundesland und der Region Burgund zu knüpfen. Eine mögliche Partnerschaft zwischen den sich in Größe und Struktur ähnelnden beiden Städten Mainz und Dijon schien dazu geeignet, diese Bemühungen zu unterstützen.
Das erste Zusammentreffen der Stadträte aus Mainz und Dijon am 13. September 1953 verlief trotz der Zurückhaltung des Dijoner Stadtoberhaupts sehr vielversprechend. Zunächst war es einem Stadtrat aus Dijon gelungen, durch seinen Redebeitrag die etwas verkrampfte Atmosphäre entscheidend zu entspannen, und als Oberbürgermeister Stein seinem französischen Amtskollegen gegenüber versichert hatte, dass die Vergangenheit keinesfalls vergessen, sondern überwunden und „durch den Geist der Freundschaft“ ersetzt werden solle, wich die anfängliche Skepsis Kirs zunehmend. Allerdings hatte es in der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt noch spürbare Ressentiments gegen eine Annäherung mit den Deutschen gegeben. Auf den parkenden Bus, mit dem die Mainzer Delegation nach Dijon angereist war, war zweimal das Wort „Boche“, ein französisches Schimpfwort für Deutsche, in den Staub geschrieben worden.
Trotz derartiger „Anlaufschwierigkeiten“ gelang es aber in den Folgejahren, die Beziehungen zwischen Mainz und Dijon zu intensivieren. Neben den Kontakten zwischen Vertreter:innen der beiden Städte kam es bereits 1954 zu einem ersten Austausch zwischen den Professor:innen der beiden Universitäten und im Juli 1957 zum ersten Besuch einer Mainzer Schüler:innengruppe in Dijon.
Am 5. Mai 1958 beschloss schließlich der Stadtrat von Dijon, eine Städtepartnerschaft mit Mainz zu begründen. Die Stadt Mainz folgte diesem Beispiel und verkündete am 21. Juni 1958 in einem Festakt im Kurfürstlichen Schloss offiziell die neue Städtepartnerschaft. Kanonikus Félix Kir, der mit einer Delegation aus Dijon angereist war, erhielt anlässlich dieses Ereignisses das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland aus den Händen des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier. Sechs Jahre später wurde Kir zum Ehrenbürger der Stadt Mainz ernannt und am 13. Februar 1967 erhielt der Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs, Franz Steins Nachfolger, im Gegenzug die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dijon.
Bis heute wird die Städtepartnerschaft Mainz-Dijon durch Treffen zwischen Kommunalpolitiker:innen beider Städte, aber auch durch die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Universitäten und ganz besonders durch die Aktivitäten von vielen Bürger:innen aus Mainz und Dijon mit Leben erfüllt.