Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche
Suche
Jüdische Grabsteine des mittelalterlichen Magenzas (Foto: Carsten Costard)
Bild in voller Höhe anzeigen Bild in halber Höhe anzeigen
Sie befinden sich hier:
  1. Kultur & Wissenschaft
  2. Stadtgeschichte
  3. Jüdisches Mainz
  4. Der Mainzer Judensand

Der Mainzer Judensand

Teil-Monument des UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten und mit ältester jüdischer Friedhof Europas.

Jüdische Begräbnisstätten sind die wichtigsten und bedeutendsten Zeugnisse der Geschichte der Jüdinnen und Juden in Deutschland. In Mainz ist der Alte Jüdische Friedhof „Judensand“ mit nahezu 1.500 historischen Grabsteinen eine wichtige Komponente des seriellen Weltkulturerbes - zusammen mit den erhaltenen Stätten in Speyer und Worms.

Viele Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert und somit gilt der „Judensand“ in Mainz neben dem „Heiligen Sand“ in Worms als ältester jüdischer Friedhof Europas.

Grabsteine aus dem 11. bis 15. Jahrhundert

Das Friedhofsareal lag ursprünglich außerhalb der mittelalterlichen Stadt und erstreckte sich entlang der ehemaligen römischen Ausfallstraße, der heutigen Mombacher Straße. Es war der Begräbnisort für Jüdinnen und Juden aus Mainz und der näheren Umgebung.

Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde im 15. Jahrhundert konstituierte sie sich langsam wieder im 17. Jahrhundert. Auf dem verbliebenen unteren Teil des „Judensandes“ befinden sich heute Grabsteine aus der Zeit um 1700 bis zum Jahr 1880, als der Friedhof endgültig geschlossen wurde. Für Besucher und Besucherinnen ist nur dieser untere Teil des „Judensandes“ zugänglich.

Denkmalfriedhof

Mehrfach wurde die ewige Ruhe der Toten gestört. Als die jüdische Gemeinde 1438 vertrieben wurde, räumte die Bürgerschaft die mittelalterlichen Grabsteine und verwendete sie als Baumaterial.

Das Friedhofsgelände wurde von der Stadt als Weinberg verpachtet. Erst im 19. Jahrhundert kamen im Stadtgebiet viele dieser als Baumaterial verwendeten jüdischen Grabsteine in der Nähe des Gautors oder am Rheinufer wieder zufällig ans Tageslicht.

Die Mainzer Rabbiner Siegmund Salfeld und Sali Levi vereinten die wiedergefundenen Grabsteine auf dem oberen, nicht genutzten Teil des Friedhofareals zu einem so genannten Denkmalfriedhof, der 1926 eingeweiht wurde. Die Anordnung der Steine ist eher willkürlich und nicht – wie ursprünglich an diesem Ort üblich – nach Osten, nach Jerusalem, ausgerichtet.

Viele Grab- und Gedenksteine auf dem Denkmalfriedhof wie die von Meschullam ben Rabbana’ Rabbi Kalonymos oder Jakob ben Jakar aus dem beginnenden 11. Jahrhundert haben noch heute für Juden und Jüdinnen aus aller Welt Relevanz. Der älteste jüdische Grabstein Mitteleuropas von Jehuda ben Schneor – heute im Landesmuseum – stammt aus dem Jahr 1049. Das Betreten des Denkmalfriedhofs ist nur aus religiösen Motiven gestattet.

Gerschom Ben Jehuda

Unter den wiederentdeckten mittelalterlichen Fundstücken im Stadtgebiet befand sich der Gedenkstein von Gerschom ben Jehuda – bekannt als „Leuchte des Exils“. Er wirkte um die Jahrtausendwende als einer der einflussreichsten Gelehrten
des Abendlandes in Mainz, dessen Rechtsauskünfte und Verordnungen noch Jahrhunderte nach seinem Tod ihre Gültigkeit behielten.

Obwohl die SchUM-Gemeinden am Rhein wiederholt Ziele von Gewalt und Vertreibungen waren, konnte das jüdische Erbe in diesen Städten als einzigartiges Zeugnis und lebendiger Bestandteil des aschkenasischen Judentums die Zeiten
überdauern. Heute gibt es wieder eine lebendige jüdische Gemeinde in Mainz mit fast 1000 Mitgliedern.

Auf dem Portal der Neuen Synagoge aus dem Jahr 2010 verweist die Aufschrift „MEOR HA GOLA“ („Leuchte des Exils“) auf die große Persönlichkeit Gershom ben Jehuda. So knüpft die jüdische Gemeinde von heute an die einstige Bedeutung von Magenza vor 1000 Jahren an.

Historische Echtheit und Unversehrtheit

Der Alte Jüdische Friedhof „Judensand“ in Mainz ist seit Sommer 2021 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zusammen mit dem Wormser Friedhof „Heiliger Sand“ sowie den Synagogen und Mikwen in Speyer und Worms. Ausschlaggebende Kriterien für die Wahl als Welterbe waren die historische Echtheit („Authentizität“) und Unversehrtheit („Integrität“) der kulturellen Stätten.

Der „Judensand“ gehört der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinhessen-Mainz und wird treuhänderisch von der Landeshauptstadt Mainz verwaltet. Um den Erhalt dieses einzigartigen Friedhofs dauerhaft zu gewährleisten und um ihn gleichzeitig für Gäste zugänglich zu machen, errichtet die Landeshauptstadt Mainz einen Besucherpavillon, der einen sensiblen, denkmalgerechten und halachischen – den jüdischen Gesetzen entsprechenden – Umgang mit dem Friedhof vorsieht. Im Zuge dieser Maßnahme wird das Friedhofsgelände eine neue Einfriedung und einen neuen Zugang erhalten.

  • Freiluftausstellung

    Fotos und Texte informieren über die SchuM-Stätten und den Judensand. © Landeshauptstadt Mainz
    Der Alte jüdische Friedhof Judensand ist aktuell nur eingeschränkt begehbar. Die Landeshauptstadt Mainz plant einen Besucherpavillon, der einen Blick über das Gelände ermöglichen wird. Um die Zeit bis zur Realisierung dieses Pavillons zu überbrücken, informiert eine Freiluftausstellung Besucher:innen über die Geschichte und Bedeutung dieses besonderen Ortes. Die Ausstellung ist von der Mombacher Straße aus zu sehen. Angebote für öffentliche Führungen finden Sie unten auf dieser Seite. Foto: © Landeshauptstadt Mainz

Besuch des Friedhofs

Unter Beachtung der Regeln für den Besuch jüdischer Stätten und aus Sicherheitsgründen bitten wir um Verständnis, dass der Besuch des Friedhofs aktuell nur mit einer Führung möglich ist. Das Friedhofsareal ist aber aufgrund seiner Lage gut einsichtig. An jüdischen Feiertagen ist der Friedhof nicht zugänglich. Führungstermine sowie App-Angebote für Selbstführungen finden Sie hier:

Besucherpavillon "Alter Friedhof Judensand Mainz"

Das Welterbegebiet Alter Jüdischer Friedhof soll als Teil des UNESCO-Welterbes SchUM-Stätten behutsam für eine nachhaltige touristische Nutzung umgestaltet werden. Dafür wurde ein landschaftsplanerischer und architektonischer Planungswettbewerb ausgelobt, der einen Siegerentwurf hervorbrachte. Ziele des Wettbewerbs sind die Konzeption eines Besucher-Pavillons und die landschaftsplanerische Verbesserung der Außendarstellung des gesamten Friedhofsbereichs, inklusive der Umfriedung.

Visualisierung des Besuchszentrums an der Paul Denis-Straße. Man sieht den Pavillon mit der davor liegenden kleinen Platzanlage. Die Planungen stammen von den Büros Holzer Kobler Architekturen sowie Sinai Landschaftsarchitekten. Wenn alles nach Plan läuft, starten die Arbeiten noch in 2023 und werden bis Ende 2024 beendet sein. Landeshauptstadt Mainz
4 / 4