Inhalt anspringen

Faszination Pilze

Pilze gehören zu den weit verbreitetsten, größten und erfolgreichsten Lebewesen unserer Erde. Sie sind weder als Pflanze noch als Tier einzuordnen und entfalten ihre natürliche Aktivität im Verborgenen, im Boden, in Bäumen oder in Symbiose mit anderen Lebewesen. Dieser Umwelttipp gibt Einblicke in die faszinierende Welt der Pilze.

Auf Pilzexkursion im Herbst
Auf Pilzexkursion im Herbst

Weder Tier noch Pflanze, sondern Pilz

Pilze sind Lebewesen voller Superlative. Von klein bis riesengroß besiedeln sie die ganze Erde allein oder in Lebensgemeinschaften. Wir finden sie in Wäldern, im Boden, als Sporen in der Luft, in und an Lebewesen sowie als Schädlinge. Manche sind essbar, viele ungenießbar und wenige tödlich. Kaum eine Lebensform ist so vielfältig wie die der Pilze.

 

Man ordnet sie weder den Tieren noch den Pflanzen zu. Denn Pilze sind nicht zur Photosynthese fähig wie Pflanzen und ernähren sich daher heterotroph wie Tiere. D.h. sie nehmen ihre Nährstoffe aus der Umgebung auf. Oft werden Pilze für Pflanzen gehalten, weil sie „sesshaft“ sind, doch sind sie genetisch eigentlich näher mit den Tieren verwandt. Von diesen unterscheiden sie sich z.B. insofern, dass sie Zellwände ausbilden können; eine Eigenschaft, die zumeist den Pflanzen gehört.

 

Die meisten Speisepilze gehören zu den Ständerpilzen (Basidiomycota). Für uns an der Oberfläche sichtbar ist nur ihr Fruchtkörper, der zur Vermehrung über Sporen gebildet wird. Die Sporen werden durch Wind, Regen oder Tiere in die Umwelt getragen. Der größte Teil des Organismus, das Myzel, liegt weit unter der Erde verzweigt. Über das Myzel nehmen die Pilze Nährstoffe auf, verbrauchen diese selbst oder geben sie an Symbiosepartner ab. Die einzelnen Verästelungen des Myzels (Hyphen) können sich über mehrere Kilometer ausbreiten und richten sich immer nach den Orten mit hoher Nährstoffkonzentration in der Umgebung. Übrigens erstreckt sich das Myzel einiger Hallimascharten über fast 9 km2.

 

Wälder sind ohne das Netzwerk, das Pilze mit ihrem Myzel bilden, undenkbar. Sie bauen in ihrer Funktion als Destruenten totes organisches Material ab und schleusen es anschließend in Form von Nährstoffen wieder in den lebenden Kreislauf ein. Forschende nehmen heutzutage an, dass Bäume sogar über dieses Netzwerk miteinander kommunizieren können. Deshalb wird dieses Netzwerk auch „Wood Wide Web“ genannt.

Pilze als Partner und Helfer in der Natur

Als Mykorrhiza wird eine Form der Symbiose von Pilzen und Pflanzen bezeichnet, bei der ein Pilz mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt ist. Die Mykorrhizapilze liefern der Pflanze Salze wie Phosphat und Nitrat sowie Wasser und erhalten ihrerseits einen Teil des durch die Photosynthese der (grünen) Pflanzen erzeugten Zuckers. Mykorrhizapilze schützen Bäume außerdem vor Schadstoffen und scheiden antibiotische Substanzen gegen wurzelpathogene Bodenorganismen aus. Mykorrhizapilze spielen außerdem eine entscheidende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf durch ihre Fähigkeit, große Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO2) zu binden.

 

Holzzerstörende Pilze in der Natur sind wichtige Helfer im Ökosystem. Sie bauen totes Holz ab, zersetzen Zellulose und Lignin, bilden Humus und geben wichtige Nährstoffe wie Kohlendioxid und Mineralien zurück in den natürlichen Kreislauf. Beim altersbedingten Zerfall der Wälder sind sie eines der wichtigsten Elemente, da sie selbst härtestes abgestorbenes Eichenholz letztlich vollständig zersetzen. Damit erfüllen sie die sehr wichtige Aufgabe, im Naturhaushalt der Wälder „aufzuräumen“ und dem Boden organische Masse zuzuführen.

 

Im urbanen Bereich, z.B. in Parks können Pilze, die in geschwächte Bäume durch Wunden oder über die Wurzel eindringen, große Probleme mit der Stand- oder Bruchsicherheit bereiten. Einige dieser Pilze, z. B. die Lackporlinge bilden langlebige mehrjährige Fruchtkörper aus, die am Baum gut zu erkennen sind. Andere wiederum bilden nur einjährige Fruchtkörper, wie z. B. der Schwefelporling, welche im Laufe des Jahres wieder zerfallen, was ein Erkennen des Befalles erschwert. Manche dieser Baumpilze, wie z.B. der Schwefelporling, der Austernpilz oder der Klapperschwamm sind essbar.

 

In den Mainzer Parks und auf den Mainzer Friedhöfen dürfen Stämme oder Teile abgestorbener Bäume, sogenannte Biotop- oder Habitatbäume verbleiben. Außer für Pilze bieten sie einen wichtigen Lebensraum, Nahrungsquelle und Brutplatz für Tiere und Pflanzen.

Speisepilze sammeln

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) gibt an, dass von den geschätzt 14.400 Pilzarten in Deutschland lediglich ca. 200 essbar und 150 Arten giftig sind. Hiervon werden 10 Arten als tödlich giftige Pilze eingestuft. Die restlichen Pilzarten gelten als ungenießbar, d.h. sie schmecken nicht, sind unverdaulich, zu klein oder zu hart oder die Giftwirkung ist noch nicht erforscht. Die DGfM gibt folgende Tipps zum Sammeln von Speisepilzen:

 

Grundsätzlich nimmt das Pilzmyzel im Boden durch das Sammeln der oberirdischen Fruchtkörper keinen Schaden. Dabei ist es egal, ob die Pilze abgeschnitten oder herausgedreht werden. Es empfiehlt sich aber, Pilze vorsichtig dem Boden zu entnehmen, da sich an der Stielbasis oft wichtige Merkmale zur Bestimmung befinden. 

 

Sammeln Sie nur Pilzarten, die Sie sicher kennen. Von unbekannten Pilzen können Sie 2-3 Exemplare in möglichst unterschiedlichen Entwicklungsstadien mitnehmen und zu Hause in Ruhe bestimmen. Bewahren Sie unbekannte Pilze getrennt von den Speisepilzen auf, da selbst kleine Teile eines tödlich giftigen Pilzes den ganzen Korb verderben können.

 

Sammeln Sie nur gesunde, frische Pilze und lassen sie überalterte und zu große Exemplare stehen. Sie sind eine wertvolle Sporenquelle für die nächste Generation. Bei ganz kleinen Pilzen sind oft die Merkmale noch nicht ausgebildet - lassen Sie diese in Ruhe für die nächste Sammler:in groß werden.

 

Auch für Pilze gelten Naturschutzregeln: Viele Speisepilze wie Steinpilze, Rotkappen und Pfifferlinge stehen unter Naturschutz und dürfen nur in kleinen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Richtgröße sind ca. 1-2 kg pro Sammler und Tag. Einige Arten sind total geschützt und dürfen nicht gesammelt werden.

 

Sammeln Sie die Pilze in einen Korb, damit sie luftig liegen können. Völlig ungeeignet sind Plastiktüten, da die Pilze darin „schwitzen“ und sehr leicht in Zersetzung übergehen.

 

Wenn Sie einen Pilzsachverständigen zur Bestimmungshilfe aufsuchen, präsentieren Sie dort bitte alle Funde. Denn nur vorgelegte Pilze können zum Verzehr freigegeben werden.

Pilze sammeln in Mainz?

Der wichtigste Lebensraum für heimische Speisepilze ist der Wald, besonders alte Mischwälder mit Laub- und Nadelbäumen. Pilze leben dort im Boden oder an Holz. In Mainz gibt es insgesamt nur wenig Wald. Im Lennebergwald und im Ober-Olmer-Wald ist Pilze sammeln verboten, da es sich um Naturschutzgebiete handelt. Für die Suche müssen Sie z.B. in die umliegenden Regionen wie den Binger Wald, den Soonwald oder den Hunsrück ausweichen.

Pilze im Mainzer Umweltladen

Im September und Oktober haben wir für Sie Informationen rund um das Thema Pilze und Habitatbäume bereitgestellt: Veranstaltungen und Kontakte in und um Mainz, Do it yourself - so legen Sie einen Pilzgarten an, uvm. Am Freitag, 9. Oktober 2026 findet von 16:30 bis ca. 18 Uhr eine Exkursion des Grün- und Umweltamtes „Habitatbäume im Drususwall - Lebensraum für Pflanzen und Tiere“ statt. Anmeldung im Mainzer Umweltladen.

Kontakt

Adresse

Umweltladen

Mainzer Umweltladen
Steingasse 3
55116 Mainz

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

Sprachauswahl

Schnellsuche