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Rede des Oberbürgermeisters zum Bürger:innen-Empfang

Sonntag, 23.08.2026
Ort: Rheingoldhalle

Ich freue mich sehr, Sie heute hier in der Rheingoldhalle begrüßen zu dürfen.
Kennen Sie das? Sie greifen morgens zu Ihrem Smartphone, scrollen schnell durch die Nachrichten und sammeln dabei ganz nebenbei erstaunlich viel unnützes Wissen.
So ging es mir heute Morgen. Und einen Fakt dieses vermeintlich unnützen Wissens möchte ich nun doch mit Ihnen teilen, weil er so wunderbar zu diesem Vormittag passt:
Wissen Sie, welcher Tag heute ist? Der 23. August.
Und was Sie vielleicht noch nicht wissen: Heute ist der Tag des Biskuitkuchens1.
Biskuitkuchen. Was hat das mit Ihnen zu tun?
Nun, vielleicht denken einige von Ihnen jetzt tatsächlich an das letzte Sommerfest, den Tag der offenen Tür oder den Großeltern-Kind-Nachmittag – und an die vielen Kuchen, die dafür mit Liebe gebacken wurden.
Aber ich glaube, wir sollten den Biskuitkuchen an dieser Stelle nicht unterschätzen.
Denn der Biskuitkuchen ist nur die Basis.
Aus ihm kann mit Zeit, Kreativität und viel Liebe etwas ganz Besonderes entstehen: eine aufwändige Torte, mit mehreren Schichten, einer feinen Creme, frischem Obst, einer schönen Dekoration. Eine Basis mit vielen kleinen Details, die nur deshalb entstehen, weil jemand sich die Zeit genommen hat, sie zu gestalten.
Und genau darin sehe ich ein wunderbares Bild für Ihr Engagement.
Der Biskuitboden ist die Basis. Erst durch all die Menschen, die etwas dazugeben, entsteht daraus etwas Wundervolles! Genauso ist es in unseren Kindertagesstätten. Durch Sie alle wird die Basis zu etwas Wundervollem!
Ein Kuchenverkauf, ein Sommerfest, eine helfende Hand beim Martinsumzug, ein genähtes Kostüm, ein gestalteter Garten oder immer wieder Kommunikation, Vermittlung und dann ein, zwei Stündchen bei den Ausschuss-Sitzungen – mögen für Außenstehende wie kleine Beiträge wirken. Aber für eine Kita-Gemeinschaft sind sie viel mehr: Sie sind die Zutaten, aus denen Gemeinschaft entsteht.
Und deshalb ist dieser Empfang heute ein Zeichen der Wertschätzung. Ein Zeichen dafür, dass wir als Stadt sehen, was Sie leisten. Und dass wir wissen: Vieles von dem, was unsere Kindertagesstätten zu lebendigen Orten des Lernens, des Spielens und des Miteinanders macht, wäre ohne Ihren Einsatz nicht möglich.
Heute sind rund 100 Frauen und Männer zu Gast, die sich auf ganz unterschiedliche Weise engagieren.
Manche wirken im Stadtelternausschuss mit, manche in den Kita-Elternausschüssen, manche in Fördervereinen. Sie bringen sich ein – in vielfältigster Weise:
• Sie sind Sprachrohr zwischen Kita und Eltern,
• Sie hören, wo die Nöte sind und suchen und finden Lösungen.
• Oder sie schleppen Getränkekisten und Tische für das Fest herbei,
• sie sammeln Spenden für neue Spielgeräte,
• machen mit den Kleinen Sport,
• begleiten Ausflüge und Projekte
• oder bringen ihre ganz persönlichen Fähigkeiten und Ideen in den Gremiensitzungen ein.
Auf den ersten Blick sind das sehr unterschiedliche Tätigkeiten. Aber eines verbindet sie alle: Sie schenken Zeit.
Und Zeit ist heute eines unserer kostbarsten Güter.
Zwischen Beruf, Familie, Verpflichtungen und einem oft dicht gefüllten Alltag entscheiden Sie sich bewusst dafür, Zeit für andere einzusetzen. Nicht, weil Sie es müssen. Sondern weil Sie davon überzeugt sind, dass Gemeinschaft davon lebt, dass Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.
Genau darin liegt der besondere Wert des Ehrenamts.
Und manchmal entsteht daraus etwas, das weit über die eigene Kita hinauswirkt. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist die Kita St. Franziskus auf dem Lerchenberg.
Dort haben einige Eltern ganz aktuell eine Spendenaktion für ein schwer erkranktes Kita-Kind ins Leben gerufen. Aus dieser Initiative entwickelte sich eine große Bewegung der Solidarität weit über die Kita und den Lerchenberg hinaus; eine Benefizgala wurde organisiert, bei der sich viele Künstlerinnen und Künstler aus unserer Fastnacht, aus verschiedenen Vereinen und viele weitere Menschen beteiligten3 – und eine sechsstellige Spendensumme kam zustande.
Was als Engagement einiger Eltern begann, wurde zu einem Zeichen dafür, was eine Gemeinschaft bewegen kann.
Vieles von der Elternarbeit passiert im Hintergrund – und findet nicht wie diese Gala den Weg in die Tageszeitung. Vieles ist nicht sichtbar. Eltern,
• die spät abends noch das Protokoll der Ausschuss-Sitzung schreiben,
• die sich zuhause beim Mittagessen-Kochen Gedanken machen, wie die Verpflegung in der Kita noch verbessert werden kann,
• die ohne viel Aufhebens sagen: „Ah, da gibt es was zu tun. Ich kümmere mich darum.“
Es sind die vielen kleinen Beiträge, die am Ende etwas Großes entstehen lassen.
Das Schöne ist: Kinder sehen das. Sie nehmen das wahr.
Sie erinnern sich daran, dass ein Fest stattgefunden hat. Dass der Garten schön war. Dass jemand ein Kostüm für sie genäht hat. Dass ein Ausflug möglich wurde. Dass Erwachsene gemeinsam etwas auf die Beine gestellt haben. Und vielleicht erinnern sie sich auch an den leckeren Kuchen.
Vor allem aber erleben sie etwas viel Wichtigeres: Sie erleben, dass Menschen füreinander da sind.
Unsere Kindertagesstätten sind weit mehr als Einrichtungen der Betreuung. Sie sind Orte, an denen Kinder ihre ersten Erfahrungen außerhalb der Familie sammeln. Sie lernen, miteinander zu spielen, Konflikte zu lösen, Rücksicht zu nehmen und Vertrauen zu entwickeln.
Dafür brauchen Kinder verlässliche Erwachsene.
Die pädagogischen Fachkräfte leisten Tag für Tag Beeindruckendes. Eine starke Kita lebt darüber hinaus auch von engagierten Eltern und Unterstützerinnen und Unterstützern, die mitdenken, mithelfen und mitgestalten.
Und Kinder beobachten sehr genau.
Darin sehe ich eine der wichtigsten Botschaften Ihres Engagements: Denn Demokratie beginnt nicht erst im Wahllokal. Sie beginnt dort, wo Menschen zuhören, gemeinsam Lösungen suchen, unterschiedliche Meinungen aushalten und Verantwortung für das Gemeinsame übernehmen.
Wer sich in einer Kindertagesstätte engagiert, gestaltet deshalb weit mehr als den Alltag einer Einrichtung. Er stärkt das Fundament unserer Stadtgesellschaft.
Dieses Engagement verdient Respekt und Anerkennung. Denn wir wissen alle: Ehrenamt ist kein Selbstläufer. Es braucht Zeit, Kraft, Offenheit, Kompromissbereitschaft und manchmal auch Geduld. Gerade deshalb ist Ihr Einsatz so wertvoll. Sie schenken nicht nur Zeit und Kraft. Sie schenken Zuversicht.
Dafür möchte ich Ihnen heute – auch im Namen des Stadtrates und der gesamten Stadtverwaltung – von Herzen danken.
Mein Dank gilt ebenso den Familien und Partnerinnen und Partnern, die dieses Engagement mittragen. Ehrenamt gelingt oft nur, weil viele Menschen im Hintergrund Verständnis zeigen, Aufgaben übernehmen oder auf gemeinsame Zeit verzichten.
Auch das gehört zur Wahrheit dazu.
Liebe Gäste,
am Anfang habe ich vom Biskuitboden gesprochen.
Der süße Biskuitboden ist die Basis. Was daraus Wertvolles und Liebevolles entsteht, verdanken wir Menschen wie Ihnen.
Vielen Dank für Ihr Engagement, Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft, unsere Kitas und damit unsere Stadtgesellschaft mitzugestalten.
Ich wünsche Ihnen nun einen schönen Vormittag mit guten Gesprächen, interessanten Begegnungen – und der Gelegenheit, heute einmal selbst im Mittelpunkt zu stehen.
Denn heute gilt die Aufmerksamkeit Ihnen.

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