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Zitadelle

Festung auf dem Jakobsberg

Auf dem Jakobsberg, über den Dächern der Altstadt, thront die Zitadelle. Seit rund 300 Jahren beherrscht sie das Stadtbild von Mainz.

Den Namen Jakobsberg trägt die Anhöhe seit der Gründung des dem heiligen Jakobus geweihten Benediktinerklosters 1055 durch den Mainzer Erzbischof Bardo. Der eigentliche Ausbau der heutigen Zitadelle begann 1655 unter Kurfürst Johann Philipp von Schönborn.

Mit ihrer Größe von etwa 340 mal 320 Metern zählt die Zitadelle zu den wichtigsten Großfestungsanlagen in Rheinland-Pfalz. Und sie ist ein touristischer Anziehungspunkt. Nicht nur der schöne Ausblick ist den Aufstieg wert. Auch unterirdisch gibt in den Gängen und ehemaligen Luftschutzkellern einiges zu entdecken.

Zitadelle auf einen Blick

Zahlen, Daten, Fakten

Errichtet: 1655 bis 1661 und 1669
Bauherren: Kurfürst Johann Philipp von Schönborn (1655-1661) und Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (1669)
Stil: Barock

Historisches

Bereits die Römer wussten die herausragende Lage der Anhöhe am südlichen Stadtrand zu schätzen und errichteten ihrem Feldherrn Drusus nach dessen Tod beim Germanenfeldzug ein Ehrenmal, dessen Kern noch heute als Drususstein erhalten ist.

Seit 1055 wurde die Anhöhe von einem Benediktinerkloster besiedelt, das dem heiligen Jakobus geweiht war. Seit dem trägt sie den Namen Jakobsberg. Da das Kloster nur leicht umwallt außerhalb der Stadtmauern lag, ergab sich eine strategische Lücke im Schutzring der Stadt.

Der Ausbau des Jakobsberges zur wehrhaften Festung begann 1620 unter Kurfürst Johann Schweickhardt von Kronberg, der unter der Leitung des Domkapitulars Adolph von Waldenburg eine vorwiegend aus Gräben und Wällen bestehende Festungsanlage bauen ließ. Doch schon 1631 wurde Mainz im Laufe des Dreißigjährigen Krieges von den Schweden besetzt.

Der eigentliche Ausbau der heutigen Zitadelle mit ihrem regelmäßigen Grundriss und den vier Bastionen Alarm, Tacitus, Drusus und Germanikus begann 1655 unter Kurfürst Johann Philipp von Schönborn. Die über Mainz aufragende Festungsanlage konnte ihrem Zweck allerdings nicht lange gerecht werden, da der Stadt das Geld für eine schlagkräftige Festungsbesatzung fehlte. Französische Truppen nahmen denn auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Stadt ein.

Im 18. Jahrhundert wurde das Klostergelände ausgebaut. Ein neuer Abt- und Fremdenbau sowie ein barocker Garten entstanden. Doch die langjährige Klostergeschichte fand durch die Wiedereroberung des französisch besetzten Mainz durch die deutsche Reichsarmee 1793 ein jähes Ende, als Klosterkirche und Wirtschaftsgebäude vollständig zerstört wurden. Der Abt- und Fremdenbau blieben bis zum ihrem Abriss 1912 erhalten. Für ihren Wiederaufbau zwei Jahre später wurden die barocken Tür- und Fensterrahmen aufbewahrt.

Bundesfestung

Ab 1816 kam Mainz die Rolle einer Bundesfestung zu. Auf der Zitadelle wurden Truppen stationiert, die überwiegend im ehemaligen Abts- und Fremdenbau unterkamen. Der Kommandantenbau wurde aufgestockt, 30 Jahre später erfolgte der Neubau der "Citadellkaserne", heute Bau C.

Wiederaufbau 1950

Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg besetzten französische Militärs das Gelände. 1950 begann der Wiederaufbau der kriegszerstörten Gebäude und die städtische Handelslehranstalt sowie später die Bauämter zogen in die Gebäude ein.

In den letzten Jahren konnten notwendig gewordene Sanierungsarbeiten an und in den historischen Gebäuden in dem denkmalgeschützten Gelände durchgeführt werden.

Architektur

Die Zitadelle weist einen regelmäßigen Grundriss auf mit den Bastionen Alarm, Tacitus, Drusus und Germanikus an den Ecken. Zur Stadt hin erstreckt sich der Kommandantenbau, der 1696 unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn errichtet und in die bestehende Toranlage integriert wurde. Auf dem Giebel über dem Tor wacht die Figur des Heiligen Jakob.

Viele der unterirdischen Gänge wurden in den Weltkriegen als Luftschutzräume ausgebaut.

Heute

Heute beherbergt die Zitadelle städtische Ämter und Eigenbetriebe sowie das Stadthistorische Museum, das im Bau D Sammlungen zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt Mainz zeigt.

Darüber hinaus ist die Zitadelle heute ein touristischer Anziehungspunkt. Besichtigt werden können die unterirdischen Gänge, in die sich die Mainzer im Zweiten Weltkrieg vor den Bombenangriffen flüchteten. Die Initiative Zitadelle Mainz bietet jährlich von April bis Oktober ober- und unterirdische Führungen auf dem Zitadellengelände an. Der Verein Geographie für Alle organisiert regelmäßig und auf Nachfrage eine Führung zur Festungsstadt Mainz, bei der auch die Zitadelle behandelt wird.

Außerdem können Individualbesucher mithilfe von QR-Codes an den historischen Tafeln das weiträumige Gelände mit den verschiedenen Gebäuden erkunden.

Auch als Open-Air-Theater, Festivalgelände für das OPEN OHR, Ort für Krimilesungen und einen kreativen Weihnachtsmarkt wird das Zitadellengelände genutzt.

Aus ökologischer Sicht ist das Areal auf dem Jakobsberg ebenfalls bedeutsam. Hier kommen über 450 Tier- und Pflanzenarten vor, wovon 66 Arten auf der Roten Listen der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Rheinland-Pfalz stehen. So ist das Gelände nicht zuletzt auch eine grüne Lunge und ein beliebtes Naherholungsziel.

Links

Literaturhinweise

Fischer, Hartmut: Zum Schutz von Mainz. Werden und Wandel der Zitadelle. In: Mainz Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft und Geschichte, 24.Jg, 2/2004, S.13-18.

Fischer, Hartmut: Ökologie contra Denkmalpflege? Ausprägungen eines Konflikts am Beispiel der Mainzer Zitadelle. In: Erhalt und Nutzung historischer Zitadellen, Mainz 2002, S. 214 – 232.

Krawietz, Peter: Erhalt auf Dauer – Sinnvolle Nutzung historischer Zitadellen. Das Beispiel Mainz. Mainz 2002, S. 81-90.

Rupprecht, Gerd: Eine Festung wird enttarnt – Die Bastion Drusus der Zitadelle in Mainz, Mainz, 2002, S. 144-150.

Schüler, Norbert: Quo vadis, Zitadelle? Nutzung und Zukunftspläne des Festungsbaus. In: Mainz Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft und Geschichte, 24.Jg, 2/2004, S. 19-23.