Stadtspaziergang: 80. Jahrestag Bombardierung von Mainz
Anlässlich des Jahrestages organisierte die Landeshauptstadt Mainz kostenfreie Stadtspaziergänge mit AZ-Redakteur Michael Bermeitinger. Das Interesse der Mainzer:innen etwas über die Stadtgeschichte und dieses tragische Jubiläum zu erfahren war groß, aus zwei ursprünglich geplanten Führungen ergaben sich aufgrund reger Nachfrage insgesamt vier Spaziergänge.
"Feuer regnete in die Häuser"
Gestartet wurde am Stadthaus Große Bleiche, wo Michael Bermeitinger zunächst eine Einführung in das Thema gab und Mappen mit Fotos aus seinem Archiv an die Teilnehmenden verteilte. Die Fotos sind wichtige Dokumente aus dieser Zeit, die veranschaulichen welches Ausmaße die Bombardierungen hatten. Trotz des Fotografierverbots, das mit Gefängnisstrafen geahndet wurde, gab es Menschen, die sich trotzdem wagten Fotos zu machen.
"Der Angriff ging diagonal über die Stadt, vom Gonsbachtal flogen die Bomber in Richtung der Mainspitze. Die britische Strategie sah vor, Mainz mit Spreng- und Starkbrandbomben in Schutt und Asche zu legen – das Feuer regnete von oben in die Häuser hinein", berichtete Michael Bermeitinger.
Bis 1960er-Jahre standen noch Ruinen
Die Ausmaße der Zerstörungen damals waren so enorm, dass noch bis in die 1960er-Jahre Ruinen in der Löwenhofstraße standen, die es bei diesem Angriff am schwersten getroffen hatte. Dort wo jetzt überall Neubauten stehen, schlugen damals Bomben ein und die Häuser brannten ab. "Das Bankhaus Kronenberger wurde wie durch ein Wunder kaum zerstört. Es war eines der letzten jüdischen Geschäftshäuser, welches einige Jahre nach dem Krieg abgerissen wurde, an gleicher Stelle steht heute die Filiale der Commerzbank", erklärte Bermeitinger.
Der Spaziergang führte weiter durch die Große Bleiche zum Neubrunnenplatz. Dort beschrieb er den Effekt der Feuerstürme, bei denen Menschen auf offener Straße durch die enorme Hitzeentwicklung zu Tode kamen.
Keine Bunkeranlagen in Mainz
Über den Münsterplatz ging es weiter zur Altmünsterkirche, die schon im Jahr 1944 zerstört wurde. Mainz besaß keine großen Bunkeranlagen, die Bewohner:innen der Altstadt suchten deshalb Zuflucht in Kellern wie dem Kupferbergkeller des Kästirchs, dem Aktienbrauereikeller oder den Sektkellern. "Viele Menschen blieben sogar in den letzten Kriegswochen dauerhaft unter der Erde, um Schutz zu suchen", berichtete Bermeitinger.
Dort wo sich Beidenbachstraße und Emmerich-Josef-Straße kreuzen hielten die Spazierenden inne. Hier steht ein Haus, das von den Nationalsozialisten als Sammelstätte für Jüdinnen und Juden benutzt wurde. Mehr als 100 Menschen lebten dort zusammengepfercht, bevor sie in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten deportiert wurden.
Schillerplatz und Große Bleiche waren am meisten betroffen
Auf dem Schillerplatz erfuhren die Teilnehmenden von Michael Bermeitinger, dass Mainz damals zu 80 Prozent zerstört war. Es gab sogar Bereiche, die zu 100 Prozent zerstört waren. Die Luftaufnahmen zeigen, dass der Schillerplatz und die Große Bleiche am meisten getroffen wurde. Die senkrechten Fotos stammen von britischen Soldaten, die nur wenige Tage nach dem Angriff die Zerstörungen von Mainz dokumentierten. So kann bis heute nachvollzogen werden, wie enorm die Schäden damals waren.
Durch Zerstörung und Wiederaufbau ging die ursprüngliche Quartiersstruktur der Mainzer Altstadt verloren, viele enge Gassen wurden verbreitert und zusammengelegt. Der Rundgang und das Bildmaterial zeigten eindrücklich, was sich in Mainz alles durch den Zweiten Weltkrieg und die Diktatur der Nationalsozialisten verändert hat und erinnerte an die vielen Todesopfer.
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Haltestellen / ÖPNV
Linien: 6, 28, 62, 64, 65, 68, 78, 79, 93
Neubrunnenplatz/Römerpassage, Linien: 6, 64, 65, 78
Münsterplatz, Linien: 6, 50, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 60, 62, 63, 64, 65, 78,
80, 81, 90, 91, 653, 654, 660