9. Mainzer SchUM-Kulturtage 2026: Jüdische Kultur erleben
Mehr als 40 Veranstaltungen vom 6. September bis Ende November
Die 9. Mainzer SchUM-Kulturtage laden vom 6. September bis zum 29. November 2026 dazu ein, jüdische Kultur und Geschichte in ihrer ganzen Vielfalt zu entdecken. Mehr als 40 Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Stadt zeigen: SchUM ist weit mehr als die mittelalterlichen Synagogen, Mikwen und Talmudschulen in Mainz, Worms und Speyer. Auf dem Programm stehen Konzerte, Vorträge, Führungen, Sprachkurse, Gesprächsabende und Gedenkveranstaltungen.
Auftakt in der Neuen Synagoge und am Judensand
Zum Auftakt laden die Jüdische Gemeinde und die Stadt Mainz am 6. September in die Neue Synagoge ein. Beim Tag der offenen Tür gibt es Führungen, ein Konzert und jüdische Spezialitäten. Um 17 Uhr eröffnen Beigeordneter Ludwig Holle und Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, die SchUM-Kulturtage offiziell. Musikalisch gestaltet das LIV-Quartett die Eröffnung.
Ebenfalls am 6. September wird an der UNESCO-Welterbestätte "Alter Jüdischer Friedhof" das neue Besuchszentrum Sali-Levi-Haus mit einem Bürgerfest eröffnet. Der neu eingefriedete Friedhof ist damit öffentlich zugänglich. Kostenfreie Führungen, Musik, Theater, Speisen und Getränke sowie ein Kinderworkshop am SchUMobil bieten am Festtag ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie.
Gespräche, Musik und Geschichte
Zu den Höhepunkten des SchUM-Kulturtageprogramms gehören die "Mainzer Synagogengespräche" mit Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky. Am 7. September ist der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy, am 29. Oktober der Schriftsteller und Publizist Navid Kermani zu Gast. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Fragen aus Gesellschaft und Judentum.
Im Oktober wird außerdem das 100-jährige Jubiläum des Denkmalfriedhofs am Judensand mit einem Vortrag und einem Studientag gewürdigt. Zugleich jährt sich 2026 zum fünften Mal die Aufnahme der jüdischen SchUM-Stätten in Mainz, Worms und Speyer in die UNESCO-Welterbeliste.
Am 15. September gastieren der Schauspieler Roman Knižka und das Quartett OPUS 45 im Peter-Cornelius-Konservatorium mit der musikalischen Lesung "Ich wand’re durch Theresienstadt". Im Rahmen dieser Veranstaltung erzählt die Zeitzeugin Edith Berbrich auch ihre persönliche Lebensgeschichte im Sammel- und Durchgangslager Theresienstadt.
Gedenken und musikalische Wiederentdeckung
Am 9. November findet anlässlich des Jahrestags der Pogromnacht von 1938 die offizielle Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge statt. Ein musikalischer Akzent folgt am 15. November mit einem Konzert zu Ehren des jüdischen Komponisten Hans Gál (1890–1987). Gál war von 1929 bis 1933 Direktor des Mainzer Konservatoriums, wurde von den Nationalsozialisten aus dem Amt entlassen und später zur Emigration gezwungen. Seine Werke erfahren mit dem Konzert eine verdiente Wiederentdeckung.
Das vollständige Programm der 9. Mainzer SchUM-Kulturtage mit allen Terminen und Veranstaltungsorten ist online abrufbar unter mainz.de/juedischekulturtage (Öffnet in einem neuen Tab) sowie auf den Websites der Städte Worms, Speyer und des SchUM Städte e.V. schumstaedte.de/schum/schum-kulturtage/ (Öffnet in einem neuen Tab)
Hintergrundinformationen zum Weltkulturerbe und dem neuen Besuchszentrum sind unter judensand-mainz.de (Öffnet in einem neuen Tab) zu finden.
Die Idee gemeinsamer jüdischer Kulturtage der drei SchUM-Städte hat sich über die Jahre entwickelt: Worms machte 2005 mit seinen "Kulturtagen" den Anfang, 2018 schloss sich Mainz mit den "Jüdischen Kulturtagen" an. Seit 2020 beteiligt sich auch Speyer mit einem eigenen Programm. Heute präsentieren alle drei Städte jeweils ein eigenes Programm unter dem gemeinsamen Namen "SchUM-Kulturtage" und machen jüdische Kultur in Vergangenheit und Gegenwart erlebbar.
SchUM – ein bedeutendes jüdisches Erbe
Bereits im 10. Jahrhundert begann die Blütezeit der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz. Nach den hebräischen Anfangsbuchstaben ihrer Städtenamen wurden sie als SchUM-Gemeinden bezeichnet. Ihre Gelehrten und Gemeinden prägten die Entwicklung des aschkenasischen Judentums in Europa nachhaltig. Architektur und Gestaltung von Synagogen und Ritualbädern sowie die jüdische Grabkultur der SchUM-Städte wurden für das mittel- und osteuropäische Judentum wegweisend.
Auch in religiöser und geistiger Hinsicht ging von SchUM eine prägende Wirkung aus. Gelehrte der drei Gemeinden entwickelten und überlieferten liturgische Gesänge, Gebete und religiöse Traditionen, die bis heute für Jüdinnen und Juden weltweit von Bedeutung sind. Am 27. Juli 2021 wurden die SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Sie stehen damit für ein einzigartiges jüdisches Erbe von europäischer und internationaler Bedeutung.